Worum geht es beim Enneagramm?

Kennen Sie das Johari-Fenster?
Bei diesem Modell der Bewusstheit über die eigenen Persönlichkeitsanteile geht man von vier Wahrnehmungsbereichen aus:

  • – öffentlicher Bereich 1: mir selbst und anderen bewusst
  • – öffentlicher Bereich 2: nur anderen, mir selbst nicht bewusst
  • – privater/geheimer Bereich 3: nur mir, anderen nicht bewusst
  • – privater/geheimer Bereich 4: weder mir noch anderen bewusst.

Die beiden Soziologen, die dieses Modell definiert haben, lehren, dass es nicht starr, sondern dynamisch ist. Je mehr sich ein Bereich vergrößert, desto kleiner werden die anderen Bereiche. Ziel ist, den Bereich der Selbstwahrnehmung auszuweiten. Selbsterkenntnis ist dazu ein wichtiger Schlüssel.

Es liegt bei diesem Modell und damit auch in jedem Menschen in zwei Bereichen jedoch ein mehr oder weniger unbewusster Persönlichkeitsanteil vor. Diesen bezeichnen die Soziologen als “Blinden Fleck”. Auch das Enneagramm kennt diesen “Blinden Fleck”. Es geht davon aus, dass jedem Muster eine unbewusste Motivation zugrunde liegt. Um mit den Anforderungen des Lebens fertig zu werden, eignen wir uns im Verlauf unserer Erfahrungen je nach Prägung bestimmte Bewältigungsstrategien an. Diese Verhaltensweisen oder “Programme” laufen systematisch ab (daher Muster) und sind für uns größtenteils unbewusst. Andere nehmen sie jedoch durchaus wahr, daher zählen sie zum Bereich 2. Diese Programme verdecken aber ebenfalls das eigentliche Motiv des Menschen -also den Grund, warum er sich so verhält und ist daher auch für andere nicht wahrnehmbar. Die Motivation gehört deshalb zum Bereich 4 und diese aufzudecken, darum geht es im Enneagramm.

Wie entsteht diese Motivation?
Viele Enneagrammkenner sind der Meinung, die Motivation ergebe sich aus der Prägung im dritten bis fünften Lebensjahr. Ab dem dritten Lebensjahr setzt das Bewusstsein ein und durch die Erziehung lernen wir rasch, welches Verhalten erwünscht und welches unerwünscht ist. Gleichzeitig bekommen wir Rückmeldungen unserer Umwelt zu uns selbst: dass wir brav sind, dass wir stark sind, dass wir etwas Besonderes sind, dass wir dumm und Versager oder eine Belastung sind. Daraus entstehen Glaubenssätze, die noch in unserem Erwachsenenleben wirken und uns mehr oder weniger behindern, gleichzeitig wird das Bild, das wir von uns selbst haben, durch diese Spiegelung geformt. Aus diesem Grund werden in den meisten Enneagramm-Büchern die Biographien der einzelnen Typen bzw. Muster beleuchtet um zu erklären, wie sie wurden, was sie sind.

Das Enneagramm ist ein Werkzeug, um der eigenen Motivation auf die Schliche zu kommen. Es beschreibt neun verschiedene Persönlichkeitsmuster mit einer beeindruckenden Treffsicherheit. Seinen Typ zu entdecken, kann zunächst schmerzvoll sein, es führt aber zu einem inneren Wachstum, das befreiend wirkt, wenn man sich darauf einlässt. Die Aufgabe ist, die eigene “Fixierung” zu erlösen und so zu seinem wahren Selbst, seiner Essenz, zu finden.
 

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Autor: Marion Welter
Datum: Mittwoch, 15. Februar 2017 22:38
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